Letzte Aktualisierung am März 8, 2026 by Christian Heide
Im Juli 2023 besuchten wir einen außergewöhnlichen Ort etwa 350 Kilometer von Barcelona entfernt: den historischen Bahnhof von Canfranc. Er liegt in einem idyllischen Tal der Pyrenäen in der autonomen Region Aragón, auf rund 1.200 Metern Höhe. Der monumentale Bahnhof wurde 1928 eröffnet und galt einst als einer der größten Grenzbahnhöfe Europas. Jahrzehntelang stand das beeindruckende Gebäude jedoch leer und verfiel zunehmend – bis es nach einer aufwendigen Restaurierung im Februar 2023 als elegantes Luxushotel der Barceló-Kette wiedereröffnet wurde. Heute ist Canfranc ein faszinierendes Reiseziel für einen Kurztrip von Barcelona aus und zugleich ein idealer Ausgangspunkt, um die wilden und ursprünglichen Landschaften der Pyrenäen zu erkunden.
Anfahrt nach Canfranc
Ein Auto in Barcelona zu mieten ist unkompliziert und meist sehr erschwinglich. Alle großen Autovermietungen – etwa Hertz oder Europcar – sind in der Stadt vertreten, besonders rund um den Hauptbahnhof Barcelona Sants Estació. Von hier aus gelangst Du schnell aus dem lebhaften Stadtverkehr heraus. Schon bald fährst Du am berühmten Berg Montserrat vorbei, dessen spektakuläre Felsformationen und das hoch auf den Klippen gelegene Benediktinerkloster seit über 1.000 Jahren Pilger und Besucher anziehen.
Die Autobahnen in Spanien sind in der Regel sehr gut ausgebaut, und viele ehemals mautpflichtige Strecken wurden in den letzten Jahren abgeschafft. Achte auf die Geschwindigkeitsbegrenzung von 120 km/h. Die Fahrt nach Canfranc Estación dauert etwa vier Stunden. Zunächst geht es Richtung Lleida, bevor Du in die sanften Hügel der Vorpyrenäen von Aragón eintauchst. Wenn Du Dich der historischen Stadt Jaca näherst, weißt Du, dass Dein Ziel nicht mehr weit ist. Jaca war einst eine bedeutende römische Siedlung und wurde im Mittelalter sogar zur Hauptstadt des Königreichs Aragón.
Geschichte der Region um Canfranc
Die Region blickt auf eine lange Geschichte zurück. Bereits vor rund 2.000 Jahren ließen sich hier die Römer nieder und hinterließen zahlreiche Spuren – auch in den lokalen Ortsnamen. So leitet sich der Name des nahegelegenen Somport-Passesvom lateinischen summus portus ab, was so viel wie „höchster Pass“ bedeutet. Dieser Gebirgspass bildet das Ende des Canfranc-Tals und stellte über Jahrhunderte eine wichtige Verbindung zwischen Spanien und Frankreich dar. Heute führt auch ein moderner Straßentunnel durch das Massiv.
Aufgrund seiner strategischen Lage spielte der Somport-Pass eine wichtige Rolle bei der Überquerung der Pyrenäen. Neben den Küstenrouten in Katalonien und im Baskenland war er einer der wenigen Übergänge durch das Herz des Gebirges. Anfang des 20. Jahrhunderts erkannte auch die spanische Regierung das Potenzial dieser Verbindung.
Zwischen 1908 und 1915 wurde ein rund acht Kilometer langer Eisenbahntunnel durch die Berge gebaut. Die Strecke wurde schließlich 1928 zusammen mit dem beeindruckenden Bahnhof von Canfranc eröffnet. Über Jahrzehnte hinweg transportierten Züge hier hauptsächlich Güter zwischen Frankreich und Spanien. Doch nach einem schweren Zugunglück auf französischer Seite, bei dem eine wichtige Brücke zerstört wurde, entschied sich Frankreich gegen einen Wiederaufbau. Damit verlor die Strecke ihre Funktion, und der einst prächtige Bahnhof verfiel langsam zur Ruine.



Canfranc heute
Wir hatten das Glück, einige Nächte dort zu verbringen – und waren begeistert. Die Restaurierung verbindet historischen Charme mit modernem Komfort und beeindruckt durch viele liebevoll erhaltene Details, von den hohen Hallen bis zu den eleganten Bahnsteigdächern. Das Hotel ist heute ein perfekter Ausgangspunkt, um die Natur der Pyrenäen zu genießen.



Im Winter erreichst Du in wenigen Minuten mehrere Skigebiete. Das Hotel verfügt sogar über eigene Skischränke und einen separaten Bereich für Wintersportler. Im Sommer hingegen locken unzählige Wanderwege durch Wälder, Bergwiesen und hochalpine Landschaften. Auch kulinarisch hat uns Canfranc überzeugt: Das Restaurant des Hotels bietet kreative Küche mit regionalen Zutaten und viel Liebe zum Detail. Für uns steht fest – wir kommen wieder.


So erreichst Du den alten Bahnhof von Canfranc
Neben der Anreise mit dem Auto kannst Du Canfranc auch mit dem Zug erreichen. Fahre zunächst mit dem Hochgeschwindigkeitszug von Barcelona nach Zaragoza. Von dort bringt Dich ein Regionalzug durch eine beeindruckende Berglandschaft bis nach Canfranc.
Derzeit wird die historische Bahnstrecke weiter modernisiert und auf das europäische Schienensystem umgestellt. In Zukunft sollen internationale Züge zwischen Toulouse und Zaragoza verkehren können. Dadurch wird die Region noch besser angebunden – und die Reisezeiten werden sich deutlich verkürzen.
Aktivitäten in Canfranc
Wandern – Canfranc ist ein Paradies für Naturliebhaber. Die Plattform “Espacio Trail Canfranc” bietet über 40 verschiedene Wanderrouten, von einfachen Spaziergängen bis zu anspruchsvollen Bergtouren. Eine kostenlose App hilft bei der Planung und Navigation. Die Landschaft wirkt oft erstaunlich unberührt – ideal für alle, die wirklich einmal das Gefühl haben möchten, weit weg von der Zivilisation zu sein.
Skifahren – Nur wenige Kilometer entfernt liegt das moderne Skigebiet Astún. Es bietet 48 Pisten für Anfänger, Fortgeschrittene und erfahrene Skifahrer. Dank der Höhenlage sind die Schneebedingungen meist sehr zuverlässig, und die Aussicht auf die Pyrenäen ist spektakulär.
Canfranc verbindet Geschichte, Natur und Architektur auf eine einzigartige Weise. Für uns war dieser Ort eine der überraschendsten Entdeckungen in Nordspanien – und ein perfektes Ziel für alle, die die Pyrenäen abseits der großen Touristenströme erleben möchten.

