Letzte Aktualisierung am Januar 19, 2024 by Christian Heide

Ein architektonisches Highlight des katalanischen Architekturstils Modernismo erwartet Dich im Hospital de la Santa Creu i Sant Pau. Für Krankenhaus-Phobiker gibt es Entwarnung. Dieses riesige Klinikgelände im Jugendstil, entstanden im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, ist heute ein Ort der Forschung und Begegnung. Seit 1997 ist es als UNESCO-Weltkulturerbe eingetragen. Der Krankenhausbetrieb wurde 2009 in ein neues Gebäude verlegt. Fassaden und wesentliche Gebäudeteile des historischen Komplexes sind frei zugänglich – und einen großartigen Blick über Barcelona gibt’s dazu. Selbst die Sagrada Familie liegt Dir dort zu Füßen.

Der Architekt Dominèch i Montaner ist bereits ein alter Bekannter. Am 27. Dezember 2023 jährte sich sein Todestag zum einhundertsten Mal. Zu seinen weiteren großartigen Bauwerken, die Du auf den Touren mit The Barcelona Feeling entdecken kannst, gehört der Palau de la Música, Barcelonas prunkvolles Konzerthaus.

Architektur mit Tradition und technologischer Innovation

Was ins Auge fällt: roter Backstein für die Fassaden, verziert mit hellem Sandstein und zugleich das Material für zahllose Statuen. Dann natürlich die Keramik für Dächer und Wandschmuck, wie das klassische katalanische Trencadís-Mosaik, und nicht zuletzt Glas und Gusseisen als moderne Baustoffe, die Transparenz und Leichtigkeit bringen: der Architekt nutzt sie alle virtuos für ein Gesamtkunstwerk. 

Gleichzeitig setzt die Anlage in der damaligen Zeit technische Maßstäbe. Zentralheizung und eigenes Elektrizitätswerk demonstrieren, dass Barcelona im Wettbewerb der führenden europäischen Metropolen mitspielen will. Ein besonderer Clou: Die Kranken wurden durch unterirdische Verbindungsgänge zwischen Behandlungshäusern und Krankenpavillons transportiert. Für Menschen mit ansteckenden Krankheiten standen gleich rechts und links vom Hauptgebäude zwei Isolierstationen mit eigenem Pavillon zur Verfügung. Beeindruckend auch das Gebäude für die Operationen. Der OP-Saal, gelegen in einer Apsis an der Nordseite des Gebäudes, erhielt Tageslicht durch Milchglasfenster.

Mosaike und Skulpturen: Bilderrätsel für die ganze Familie

Von der Metro-Station Sant Pau-Dos de Maig geht es nur einen Block um die Ecke und schon stehst Du vor dem beeindrucken Hauptgebäude. Seine Mitte bildet ein neugotischer Turm. An den Seitenflügeln findet sich modernistischer Bauschmuck. Fans der katalanischen Geschichte finden im Inneren zahlreiche Mosaike und Skulpturen, um auf Spurensuche zu gehen. Atemberaubend sind in jedem Fall die große Ehrentreppe und der gut 17 Meter hohe Veranstaltungssaal.

Das Hauptgebäude bildet die Südspitze eines auf einer Ecke stehenden Quadrats. Dadurch entsteht eine strenge Nord-Südausrichtung. Geht man durch die Eingangshalle auf das Gelände, empfängt einen ein innerstädtischer Garten mit klarer Gliederung. Ein ansteigender Hauptweg teilt es als Spiegelachse in einen östlichen und westlichen Teil. Auf der rechten, östlichen Seite stehen die Pavillons, in denen männliche Patienten behandelt wurden. Diese Häuser tragen die Namen männlicher Schutzpatrone. Auf der linken Seite finden sich die Pavillons für die Patientinnen, die von der heiligen Jungfrau und anderen weiblichen Heiligen beschützt werden sollten. Vor allem setzte man aber auf Licht und Luft, um den Genesungsprozess zu unterstützen, sodass alle Pavillons Fenster nach Süden haben. Geplant waren 48 Pavillons. Domènech i Montaner beendete zwischen 1902 und 1913 13 davon. Sein Sohn setzte die Arbeit fort, doch verliert sich der modernistische Baustil mit dem Gang Richtung Norden. 1930 wurde die Vollendung durch den spanischen König vollzogen.

Barcelonas Aufbruch in die Moderne

Die starke Verbindung von Krankenpflege und christlicher Religion hat auch in Barcelona eine lange Tradition. Das Hospital zum heiligen Kreuz und dem heiligen Paulus, wie es auf Deutsch hieße, geht auf das Jahr 1401 zurück, als sechs katalanische Hospitäler nach einer verheerenden Pest-Welle zusammengelegt wurden. In der prosperierenden Stadt des 19. Jahrhunderts wurde der traditionelle Standort in der mittelalterlichen Innenstadt von Barcelona zu klein. Eine städtische Klinik wurde erst 1906 eröffnet. 

Und deshalb ist auch das Hospital de la Santa Creu i Sant Pau als kirchlichen Einrichtung gegründet worden. Maßgebend war dabei die großzügige Stiftung des Unternehmers Paul Gil. Der wollte seiner Heimatstadt Barcelona den Anschluss an die Moderne sichern und verband dies mit klaren Vorstellungen hinsichtlich des christlichen und katalanischen Bildprogramms. In Lluis Domènech i Montaner fand sich der Architekt, um diese Idee Wirklichkeit werden zu lassen. Sie beeindruckt bis heute, auch wenn die ursprünglichen Planungen aufgrund der langen Bauzeit nie komplett umgesetzt wurden.

Ausgehtip nach der Besichtigung des Hospitals de la Santa Creu i Sant Pau

Wenn Du Deinen Spaziergang durch die bezaubernde Anlage des Hospitals de la Santa Creu i Sant Pau beendet hast, könntest Du problemlos mit einem Besuch der Sagrada Familia fortfahren. Gaudís Meisterwerk ist nur 10 Gehminuten vom atemberaubenden Krankenhaus entfernt.

Wenn Dich die Architektur des Krankenhauses fasziniert hat, solltest Du wahrscheinlich ein Konzert im prächtigen Konzerthaus von Barcelona besuchen: Palau de la Música. Der „Musikpalast“ ist ein großes Highlight in Barcelona und es finden täglich Konzerte statt (klassische Musik, Flamenco und spanische Gitarre, Oper). Es ist das andere Meisterwerk von Domènech I Montaner.

The Barcelona Feeling bietet einen zweistündigen Rundgang über die Architektur des katalanischen Modernismen. „Gaudí & Barcelona Legenden“ ist eine großartige Einführung und behandelt nicht nur Gaudí-Gebäude, sondern auch Werke anderer Spitzenarchitekten seiner Zeit wie Puig I Cadafalch oder Domènech I Montaner.